In einer dreiteiligen Serie hatten sich die ZEIT-Feuilletonisten noch im Herbst 2010 über den Zustand der deutschen Gegenwartsliteratur beschwert. Die Diagnose: Plapperton. „Literarische Flughöhe: so niedrig wie möglich“. Entzauberung. Ernüchterungsstil. Serienmäßig. Ermüdend. „Tiefgefrorene Sprachschablonen“. Gefälligkeit. Vervolkstümlichung. So fasste Iris Radisch die Lage der Literatur im ersten Teil der Serie (ZEIT 40/2010) zusammen. Und in diese literarische Wüste spritzt, schwappt, wogt und brandet „Plan D“ – das in jeglicher Weise bemerkenswerte Erstlingswerk des 1975 in Hagen geborenen und mit einem Literaturstudium bewaffneten Werbetexters Simon Urban. (weiterlesen…)
Notizen
Rezensionen, Reflektionen, Anregungen und Gedanken
zum Tagesgeschehen, Bücherliste
Kreative aller Länder: Schafft Euch eine Katze an! (Feb. 2012)
Viele kreative Schreibtischtäter oder Mitglieder der digitalen Bohème haben nicht nur mit den genialischen Auswüchsen ihrer Kreativität zu kämpfen, sondern auch oft mit ihrer Disziplin. Da wird eine Stunde vor Deadline – manchmal auch eine Stunde danach – mit freiem Assoziieren, Eigenplagiaten, Alkohol, Zigaretten und anderen Drogen auf Krampf versucht, Texte und Ideen zu produzieren. (weiterlesen…)
“Wortteppiche” – Szenische Lesung am 20. Januar 2012
Eike Asen und Inga Ganzer bringen in ihrem einstündigen Programm manchmal nachdenkliche, bisweilen federleichte Gedichte auf die Bühne – Philosophisches trifft auf Volkstümliches und wird zu einem Wortteppich verwebt. Der ist mal Läufer, mal Schoner, mal Brücke und erzählt Geschichten über den Alltag, Leben und Leidenschaft und natürlich die Liebe zum Wort. Die szenische Darstellung und die Kostümierung verweben die an sich eigenständigen Texte. Die Lyrik der beiden Frauen, die fast 30 Lebensjahre voneinander trennt, wird so auf eigenwillige Weise lebendig. (weiterlesen…)
Rezension: Kerstin Duken, „Jahrhundertsommer“ (2007) (Dez. 2011)
Iris, erfolgreiche Werbestrategin, lebt ein in gewissen Kreisen vorzeigbares, hedonistisches Großstadtleben. Geld. Partys. Spaß. Sorglosigkeit. So scheint es. Bis sie in einer Sommernacht Opfer eines Raubüberfalls mit Körperverletzung wird und ihr nach außen hin geregeltes Leben aus dem Takt gerät. Sie hält das Ungeheuerliche geheim und versucht, auf ihre Art und Weise damit fertig zu werden. Das Buch beschreibt nun die gedankliche Auseinandersetzung der Protagonistin mit diesem Einbruch in ihr Leben und die aus dem Überfall folgenden psychischen Konsequenzen. (weiterlesen…)
Rezension: William Somerset Maugham, „Silbermond und Kupfermünze“ (1919) (Okt. 2011)
London. Gehobene Gesellschaft. Charles Strickland, ein Mann in den Vierzigern, Börsenmakler, Ehemann und Vater, verlässt ohne Nennung von Gründen überstürzt den wohlig-warmen Schoß von Familie und Beruf, um seiner Bestimmung zu folgen: Er will malen. Die erschütterte, zurückgelassene Ehefrau beauftragt den Ich-Erzähler der Geschichte, den Entflohenen ausfindig zu machen, um ihn zur Rückkehr zu bewegen. Der Erzähler findet Strickland in einem heruntergekommenen Pariser Hotel und erzählt in diesem bezaubernden Buch des englischen Schriftstellers und Arztes William Somerset Maugham von seinem und Stricklands Lebensweg, der beide zum Ende des Buches ins paradiesische Tahiti führt. (weiterlesen…)
Hans-Peter Feldmanns 100.000 Dollar-Wand im New Yorker Guggenheim (Jun. 2011)
In letzten Jahr hat der deutsche Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann den Hugo-Boss-Preis, der seit 1996 (der erste Preisträger war der Amerikaner Matthew Barney) zweijährlich vergeben wird, erhalten. An diese Auszeichnung, die mit 100.000 US-Dollar dotiert ist, ist eine Ausstellung im New Yorker Guggenheim gekoppelt. Das Preisgeld hat Feldmann als Installation an die Wände der Ausstellungshalle mit Reißzwecken heften lassen – Dollar- für Dollarnote. (weiterlesen…)
Rezension: Max Frisch, „Entwürfe zu einem dritten Tagebuch“ (Jun. 2010)
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Peter von Matt. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010.
Die Veröffentlichung von Max Frischs drittem Tagebuch sorgte schon im Vorfeld der Veröffentlichung für die Diskussion, ob ein vom Autor bewusst zurückgehaltenes Dokument publiziert werden sollte oder nicht.
Ich plädiere in dieser Frage eindeutig für ein Ja! Seine dezente, bisweilen zärtliche, aber auch in Teilen sehr kritische Auseinandersetzung mit politischen und persönlichen Themen ist äußerst lesenswert. (weiterlesen…)
Rezension: Patti Smith, „Just Kids: Die Geschichte einer Freundschaft“ (Jun. 2010)
Kiepenheuer & Witsch. 2010.
Eine Ode an die Freundschaft, die Freiheit und die Kreativität.
New York der frühen 1970er Jahre: Patti Smith erzählt die Geschichte ihrer einzigartigen Freundschaft zum Fotografen Robert Mapplethorpe, die aus einer intensiven und unschuldigen Liebesbeziehung in jungen Jahren entstand und auf einer Seelenverwandtschaft (weiterlesen…)
